Heul doch


Ja ich weiss, der eine oder die andere beisst schon beim Titel dieses Beitrags automatisch die Zähne zusammen. Ich? Ganz  sicher nicht! Ich bin nicht schwach sondern stark, ich heule ganz bestimmt nicht. Bis heute ist in den meisten von uns die Überzeugung gespeichert, dass weinen ein Zeichen der Schwäche ist. Dass man dann verletzlich und klein sei. Oder dass man dann bestimmt nicht mehr geliebt wird, wenn man so vor sich hin weint. Und wenn es denn schon unbedingt sein muss, würden viele von uns bis heute, zum Weinen am liebsten in den Keller gehen. Glaub mir, ich kenne das! Auch ich habe die Überzeugung mit auf den Weg bekommen, dass man Gefühle nur in bestimmten Situationen zeigen soll – zumindest die nicht so angenehmen. Und auch dann nur sehr dosiert und bitte nicht länger als zwei Minuten. Und stets war man sehr bemüht, diesen traurigen Zustand so schnell wie möglich wieder zu beheben. Notfalls wurde da einem Kind schon mal Schokolade oder die ersehnte Puppe versprochen, wenn es nur endlich aufhören würde zu weinen. Lachen darf man (fast) immer. Wütend sein wird unter gewissen Umständen auch toleriert. Gelangweilt, genervt oder enttäuscht sein ist auch okay.  Aber weinen?! Nein, bitte nicht jetzt und nicht hier. Am liebsten eigentlich gar nicht. Und während viele das Gefühl haben, dass sie schwach sind wenn man vor anderen seine Trauer zeigt, so sind es doch in Wahrheit oft die anderen, die in diesem Moment hilflos und schwach sind – weil sie nicht mit der Situation umzugehen wissen. Und so vermied auch ich es lange Zeit, diese Gefühle wirklich zu zeigen und ging dafür am liebsten in den Keller. Bis ich meine erste systemische Aufstellung machte. Wenn bei einer systemischen Aufstellung unbewusstes an die Oberfläche kommt, die Dinge plötzlich klar zu erkennen sind und man die Möglichkeit hat, blockierendes endlich los zulassen… Dann fliessen die Tränen, ob du es willst oder nicht. Als mir das bei meiner ersten eigenen Aufstellung passierte, erfuhr ich zum ersten Mal in meinem Leben, wie heilsam und befreiend diese Tränen sein können! Denn mit ihnen fliesst in diesem Augenblick die ganze Angst von dir ab. Durch diese Tränen können unglaublich tiefe Wunden und Verletzungen endlich geheilt werden. Und dadurch kann man endlich loslassen, was eigentlich gar nicht zu einem gehört . Man kommt mehr bei sich selber an! Es ist befreiend und ein unbeschreiblich erleichterndes Gefühl! Entgegen meiner Erwartung fühlte ich mich in diesem Augenblick weder schwach noch klein. Ganz im Gegenteil, ich war noch nie so gestärkt und in meiner eigenen Mitte, wie in diesem Moment! Dieses Erlebnis brachte mich dazu, diese veraltete Überzeugung los zu lassen und meine Einstellung zum Weinen zu ändern. Und seither habe ich keine Angst oder Scham mehr meine Gefühle zu zeigen. Insbesondere meiner Tochter gegenüber verberge ich keine meiner Gefühle, weil ich möchte dass sie sieht und spürt, dass es absolut in Ordnung ist auch mal traurig zu sein.  Das weinen sogar befreiend und heilsam sein kann. Darum lege ich Dir mit diesem Beitrag ans Herz: Heul doch! Höre auf damit, Deine Gefühle zu bewerten und in Schubladen zu stecken. Nimm sie an, egal ob angenehm oder schmerzhaft, und gib ihnen den nötigen Raum. Denn nur dann kannst Du sie anschliessend los lassen und befreit weiter gehen. Ich wünsche mir, dass auch Du die Heilung und Ruhe und das bei sich ankommen einmal erleben kannst, wenn Du Deine Trauer zulässt….




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